Mensch & Bühne

Der Abend vor der Show: Backstage-Routine auf Tour

Saltatio Mortis live auf der Bühne — Licht, Energie, Routine

Morgen ist es wieder soweit. Wir spielen die nächste Show unserer Burgentour.

Und wenn du dir jetzt vorstellst, wie so ein Abend davor aussieht — alle aufgeregt, alle nervös, alle längst in Bühnenkleidung — dann muss ich dich enttäuschen. Eher nicht.

Der Abend vor der Show ist erstaunlich entspannt. Und genau das ist eine der Geschichten aus dem Tourleben, die man von außen selten zu sehen bekommt: Der große Moment auf der Bühne beginnt ganz ruhig — im Backstage, im Nightliner, im ganz normalen Ablauf.

Der Abend vor der Show: Gepäck, Treffpunkt, Nightliner

Bei mir steht das Gepäck längst gepackt in der Ecke. Gleich fahre ich los zum Treffpunkt, sammle unterwegs noch einen Kollegen ein, und spät am Abend sind wir bei unserer Nightliner-Company Alcatraz und steigen in den Bus.

Das ist keine Ausnahme, das ist unsere gewohnte Routine. Jeder weiß sofort, was er mitnehmen muss — einfach, weil wir mit Saltatio Mortis über viele Monate immer wieder unterwegs sind. Das ist übrigens einer der unterschätzten Vorteile einer Tour: Man lernt, verdammt schnell zu packen. Nicht, weil man es muss, sondern weil man irgendwann einfach weiß, was mit muss und was nicht.

Sobald wir im Nightliner sind, bekommt jeder seine Koje. Der Rucksack fliegt rein, die Sachen für die Nacht dazu. Wahrscheinlich gibt es noch ein paar Gespräche und ein gemeinsames Getränk — und dann geht es für mich auch schon ins Bett. Ob ich noch etwas lese, noch etwas schaue oder einen Podcast höre, ist eigentlich egal. Irgendwas läuft, bei irgendwas schlafe ich ein.

Warum die Routine auf Tour die Nervosität nimmt

Das klingt vielleicht unspektakulär. Ist es auch. Und genau das ist der Punkt.

Diese Ruhe ist nicht die Abwesenheit von Vorbereitung. Sie ist ihr Ergebnis. Wer zum ersten Mal auf Tour fährt, packt stundenlang und vergisst trotzdem die Hälfte. Wer es hundertmal gemacht hat, packt in Minuten und denkt gar nicht mehr darüber nach. Die Routine nimmt dir die Aufregung ab, weil sie dir die Entscheidungen abnimmt.

Das ist ein Prinzip, das weit über die Bühne hinaus funktioniert — genau darüber habe ich in Unterwegs sein: Was Tourleben einen Entrepreneur lehrt geschrieben. Je besser die Vorbereitung, desto ruhiger der Moment, auf den es ankommt.

Der Show-Tag beginnt langsam

Morgen früh weckt mich der Wecker, und dann geht es los — allerdings gemütlicher, als man denkt. Morgen ist relativ wenig zu tun. Wir haben nur den Soundcheck und die Show.

Das heißt: Ich genieße mein Frühstück in Ruhe. Ich habe etwas Arbeit dabei und kümmere mich um ein paar Dinge, für die an so einem ruhigen Tag Zeit ist. Man muss sich einen Tourtag nicht als Dauer-Adrenalin vorstellen. Die meiste Zeit ist ein ganz normaler Tag.

Soundcheck: warum jede Bühne anders klingt

Der Soundcheck bereitet uns gut auf den Abend vor. Da hören wir, wie die Verhältnisse auf den Ohren klingen und was wir gegebenenfalls anpassen müssen. Denn jede Räumlichkeit klingt ein bisschen anders.

Wir haben sehr viele Mikrofone auf der Bühne, die auch Geräusche von außen aufnehmen — und das landet direkt in unseren In-Ear-Kopfhörern. Der Soundcheck ist der Moment, in dem wir das alles sortieren, bevor es zählt. Im Grunde nehmen wir dem einen Moment, der wirklich wichtig ist, vorher so viel Risiko wie möglich.

Kurz vor dem Auftritt: jeder hat seine Routine

Dann geht es langsam los. Vorher wird noch etwas gegessen, und danach macht sich jeder fertig. Jeder hat da seine eigenen Routinen.

In meinem Fall heißt das: Bühnenkleidung an, und hier und da vielleicht noch ein bisschen auf dem Bass herumklimpern, mich warm spielen. Kein großes Ritual, keine Show vor der Show. Einfach ankommen in dem, was gleich passiert. Von echter Nervosität ist da wenig übrig — was nach 33 Jahren auf der Bühne mit Lampenfieber passiert, ist eine eigene Geschichte.

Und dann läuft das Intro

Und irgendwann läuft das Intro. Dann gehen wir hoch auf die Bühne.

Das ist der Moment, in dem aus dem ruhigen, fast beiläufigen Tag der spektakuläre wird. Aber ich bin überzeugt: Genau weil alles davor so ruhig und eingespielt ist, kann dieser Moment so groß sein. Der unspektakuläre Teil ist kein Gegenteil des großen Auftritts. Er ist seine Voraussetzung.

Würzburg, wir sehen uns morgen.

Häufige Fragen

Wie sieht der Abend vor einem Konzert aus?
Deutlich unspektakulärer als die meisten denken. Bei uns ist der Abend vor der Show ruhig: Gepäck ist längst gepackt, wir fahren zum Treffpunkt, steigen spät in den Nightliner und schlafen dort. Kein Chaos, keine Nervosität — vor allem Routine.
Was ist ein Nightliner?
Ein Nightliner ist ein Tourbus mit Schlafkojen, in dem eine Band über Nacht von einem Auftrittsort zum nächsten fährt. Jeder bekommt seine eigene Koje und kann während der Fahrt schlafen.
Wozu dient der Soundcheck?
Beim Soundcheck prüfen wir, wie die Bühne und der Raum klingen, und passen den Sound auf unseren In-Ear-Kopfhörern an. Jede Location klingt anders, und viele Mikrofone nehmen auch Geräusche von außen auf.
Sind Musiker vor der Show nervös?
Weniger, als man vermutet — zumindest, wenn Ablauf und Vorbereitung sitzen. Routine nimmt einen großen Teil der Aufregung, weil sie einem die Entscheidungen abnimmt.