Die größte Show, die ich je gespielt habe, war letztes Jahr auf dem Wacken Open Air. Irgendwo zwischen 40.000 und 50.000 Menschen.
Und das Überraschende daran ist nicht die Größe. Es ist, wie ruhig sich das anfühlt.
Denn diese Ruhe ist genau dieselbe, die ich in einem wichtigen Meeting oder einem Pitch abrufe. Sie hat nichts mit Mut zu tun und nichts mit einem großen Ego. Sie ist das Ergebnis von Vorbereitung — und von ein paar Prinzipien, die auf der Bühne und im Konferenzraum verblüffend gleich sind.
Auf der Bühne weiß ich immer, wo ich bin — im Meeting auch
Auf der Bühne ist der Ablauf klar. Der Einzähler kommt, wir spielen einen Song. Ich weiß jederzeit, wo wir im Stück sind, ich weiß, was ich zu spielen habe, und weil ich es tausendmal geübt habe, wandern meine Finger von allein an die richtige Stelle. Das ist Muskelgedächtnis — erarbeitet durch Wiederholung, nicht durch Talent an einem guten Tag.
In einem Meeting, einem Pitch, einer Präsentation ist es anders — und im Prinzip doch dasselbe. Ich kenne das Ziel. Auf dem Weg dahin höre ich zu, sammle so viele Informationen wie möglich und reagiere darauf. Aber ich verliere das Ziel nie aus den Augen. Ein bisschen wie eine Basslinie: Sie lässt Raum, sie reagiert auf den Rest der Band — aber sie kennt ihren Grundton.
Zuhören und das Ziel halten sind kein Widerspruch. Das ist der ganze Trick.
Wenn etwas schiefgeht: worauf du dich verlassen kannst
Auf der Bühne geht auch mal etwas schief. Mein In-Ear-Signal bricht ab, ich höre nicht mehr durchgängig. In dem Moment verlasse ich mich auf das, was ich sicher weiß: was meine Finger tun. Ich freue mich, wenn das Signal zurückkommt und ich mich wieder aufs Hören konzentrieren kann — aber ich lasse mich so gut es geht nicht aus der Ruhe bringen.
Im Meeting ist das Gegenstück die Frage, auf die ich nicht vorbereitet bin. Dann gehe ich einen Schritt zurück und besinne mich auf das Ziel — und darauf, was hinter der Frage stecken könnte. Manchmal ist es echtes Nichtwissen. Manchmal ist es jemand, der nicht vorbereitet ist und einfach mal fragt. So oder so beantworte ich die Frage in aller Ruhe und mache dann weiter mit dem, was wir eigentlich vorhaben.
Der Reflex, den man verlernen muss, ist die Panik. Die kommt nur, wenn man glaubt, alles im Moment lösen zu müssen. Musst du nicht. Du hast einen Boden, auf den du zurückfallen kannst: deine Vorbereitung.
Meine Technik für Präsenz — vor dem Raum und im Raum
Ich bin in Meetings nicht nervös. Nicht, weil ich ein besonders cooler Typ wäre, sondern weil ich vorbereitet bin. Und wenn ich mal kurzfristig dazugeholt werde, stelle ich vorher eine einzige Frage: Worum geht es hier? Damit habe ich mein Ziel — und ab da weiß ich, was ich für uns alle herausholen will.
Im Raum selbst ist es dann erstaunlich simpel: Ruhig bleiben. Eine ruhige Haltung haben. Und sich nicht ablenken lassen — nicht vom Handy, nicht vom zweiten Bildschirm, nicht von irgendwas nebenbei. Präsenz heißt wörtlich: da sein. Ganz.
Ein Unterschied, den man nicht unterschätzen sollte: Ob man im selben Raum sitzt oder in einem Video-Call ist, ist nicht dasselbe. Im Call fehlt dir die Hälfte der Signale, und Ablenkung ist nur einen Klick entfernt. Da musst du bewusster präsent sein als in einem Raum, in dem euch schon die gemeinsame Anwesenheit zusammenhält.
Ruhig bleiben, vorbereitet sein, das Ziel nie aus den Augen verlieren. Mehr ist es im Kern nicht.
Souverän heißt nicht, dich durchzusetzen
Jetzt der Teil, der mir am wichtigsten ist — weil er oft falsch verstanden wird.
Wenn ich sage, ich will meine Ziele im Meeting erreichen, dann hat das nichts mit Ego zu tun. Es dient allein dem gemeinsamen Ziel. Souveränität ist nicht, den Raum zu dominieren oder recht zu behalten. Sie ist die Ruhe, aus der heraus du alle anhören und alle mitnehmen kannst.
Denn genau darum geht es bei einer Entscheidung, die ein Team tragen soll: Es reicht nicht, dass du weißt, wo es langgeht. Die anderen müssen mit. Und mitkommen tut niemand, der sich überfahren fühlt. Deshalb gehört zur Vorbereitung nicht nur, das Ziel zu kennen, sondern auch, echte Fragen ernst zu nehmen — egal, wie klein oder groß die Entscheidung ist.
Das ist dieselbe Haltung wie das, was Business von Metal lernen kann: Eine Band klingt nicht gut, weil einer laut ist. Sie klingt gut, weil alle aufeinander hören und trotzdem jeder seinen Part kennt.
Es ist erarbeitet, nicht angeboren
Die gute Nachricht: Nichts davon ist Charisma, mit dem man geboren wird. Souverän auftreten ist eine Fähigkeit, und Fähigkeiten kann man üben — genau wie eine Basslinie. Die Ruhe auf der Wacken-Bühne war nicht mutig. Sie war das Ergebnis von über 20 Jahren Wiederholung.
Für deinen nächsten wichtigen Termin heißt das: Bereite dich vor, kenne dein Ziel, hör wirklich zu — und lass dich von der einen unerwarteten Frage nicht aus der Bahn werfen. Der Rest kommt mit der Wiederholung. Ähnlich wie beim Lampenfieber, das nach 20 Jahren nicht verschwindet, sondern sich verändert.
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